Start Podcast: Kultur, Geschichte und Zeitgeschehen der Sathmarer Schwaben

Nach wochenlanger Vorbereitung und Planung ist es soweit!

Der wöchentliche Podcast zur Kultur, Geschichte und aktuellen Themen der Sathmarer Schwaben ist nun online über die Plattform anchor.fm https://anchor.fm/arthur-glaser

sowie über die weiteren Podcast- Plattformen

Spotify https://open.spotify.com/show/1mES5foKOTjA2cOdcw3Pk4

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Breaker https://www.breaker.audio/kultur-geschichte-und-zeitgeschehen-der-sathmarer-schwaben

RadioPublic https://radiopublic.com/kultur-geschichte-und-zeitgescheh-WdRqjX

Bald auch auf Google Podcasts und weiteren Plattformen verfügbar.

Wöchentlich präsentiert ifa-Kulturmanager Arthur Glaser eine Folge zu den unterschiedlichen Themenbereichen.

Wir wünschen Euch viel Spaß beim Hören!

Online-Workshop für Jugendliche zum Thema Mediennutzung und fake news

Die Corona-Pandemie hat nicht nur das Alltagsleben der Menschen maßgeblich beeinflusst sondern vor allem auch viele Planungen im Bildungs- und Kulturbereich obsolet gemacht. Dennoch bot sie auch die Chance zu Improvisationen. Geplante Projekte mussten nun auf neuen Ebenen organisiert und veranstaltet werden. Als Resultat dieser Umstellung, organisierten die ifa-Kulturmanager Julia Schulz (Kiew) und Arthur Glaser (Sathmar), ein überregionales Kooperationsprojekt mit Jugendlichen aus Rumänien und der Ukraine, welches in zwei Teilen am 12.und 18. Juni 2020, online veranstaltet wurde. Das Projekt war letztlich das Ergebnis einer wochenlangen Planung eines Begegnungsprojektes zwischen deutschsprachigen Schüler*innen aus Nordsiebenbürgen/Rumänien und Transkarpatien/Ukraine. Obwohl Rumänien und die Ukraine im Norden Nachbarn sind, wissen die Bewohner nur recht wenig über ihre jeweiligen Nachbarn. Da ein persönliches Zusammenkommen der Teilnehmer*innen aufgrund der Beschränkungen wegen des Covid-19-Viruses nicht mehr möglich war, trafen die Jugendlichen auf der Videoplattform Zoom zusammen. Am Online-Workshop nahmen 17 Teilnehmer*innen aus Sathmar und Radautz (Nordrumänien) sowie aus Mukatschewo und Umgebung (Ukraine) teil. Sie befassten sich in den zwei Teilen mit dem hochaktuellen Thema Mediennutzung und fake news. In Zeiten des Coronaviruses mehren sich Verschwörungstheorien und Falschmeldungen im Internet. Das Projekt befasste sich mit diesem aktuellen Thema und den zentralen Fragen: Was sind fake news? Woher kommen sie und wo tauchen sie auf? Wie kann man sie erkennen und aufdecken? Wie sollte ich damit umgehen? Welche Medien in Rumänien und der Ukraine sind seriös und welche eben nicht?

Im ersten Teil bekamen die Teilnehmer*innen in einem Webinar vom Referenten Andre Wolf von Mimikama – Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch, die Basics zur Nutzung von Social-Media-Kanälen sowie vor allem auch den Umgang mit dort verbreiteteten Falschmeldungen vermittelt. Hier legte er auch den Schwerpunkt auf die Gefahren der sog. fake news. Im Anschluss gab der Referent den Teilnehmer*innen mehrere Techniken an die Hand, mit denen man Falschmeldungen erkennen und aufdecken kann. Hier stehen den Internetnutzern vor allem die Quellenrecherche und die sog. umgekehrte Bildersuche zur Verfügung. Oft nutzen die Verbreiter von Falschmeldungen Bilder aus anderen Zusammenhängen bzw. Quellen, um ihre Meldung passend zu verstärken. Beispielsweise lassen sich mit der umgekehrten Bildersuche, indem man das Bild, welche für die fake news genutzt werden, speichert und mit der Suchmaschine Google sucht, die Originalquelle des Bildes und auch der ursprüngliche Kontext wiederfinden.

Für den zweiten Teil des Online-Workshops wurden die Jugendlichen in rumänisch-ukrainische Teams eingeteilt, um zusammen an zugeteilten Aufgaben zur Thematik fake news zu arbeiten.

Die Teams bearbeiteten dabei drei Schwerpunkte. Vorstellungen der Medienlandschaft in Rumänien und der Ukraine, Verfassen eigener fake news sowie die Präsentationen zu den sog. 10 Geboten der digitalen Ethik. Hierbei entstanden interessante Beiträge der Jugendlichen. Insgesamt vermittelte das Projekt neue Kenntnisse und stärkte die Medienkompetenz der Teilnehmenden. Darüber hinaus war das Projekt ein erster Schritt einer längerfristigen Zusammenarbeit der Regionen Nordsiebenbürgen und Transkarpatien und der regional verorteten Organisationen der deutschen Minderheit. Die Jugendlichen freuen sich bereits jetzt schon, ihre neuen Kontakte zukünftig auch persönlich zu treffen.

Das ifa-Projekt wurde in Kooperation mit dem Demokratischen Forum der Deutschen Sathmar, Kulturverband Sathmarense, dem Rat der Deutschen in der Ukraine sowie der Deutschen Jugend Transkarpatien veranstaltet. Das Projekt wurde zudem aus Mitteln des Auswärtigen Amtes sowie Kulturverbandes Sathmarense finanziert.

 

 

Unterricht in Zeiten des Coronavirus

 

                                                     

Seit dem 11. März 2020 sind in Rumänien die Schulen landesweit zur Prävention der Ausbreitung des Covid-19 geschlossen. Hierzu gehört auch das Deutsche Theoretische Lyzeum „Johann Ettinger“ in Sathmar. Die DaM-Schule steht somit wie viele andere Schulen vor besonderen Herausforderungen, die Schüler sowie Lehrkräfte zugleich betreffen. Frau Iulia Sirbu-Hölzli unterrichtet an der deutschen Schule in Sathmar und gab im Interview mit ifa-Kulturmanager Arthur Glaser Einblicke in die momentane Unterrichtssituation.


Diese neue Situation stellt sicher alle Lehrkräfte vor besondere Herausforderungen. Sie unterrichten nun ihre Klassen digital. Wie funktioniert das?

Es ist auf jeden Fall etwas Neues für uns alle. Plötzlich mussten wir alles ändern, was wir wussten. Wir mussten unsere Methoden ändern. Anfangs war es schwierig, ich persönlich habe die ersten Wochen genutzt, um zu lernen und um mich zu entscheiden, welche Tools verwendet werden sollen, da es viele davon gibt.

Welche Tools benutzen sie gegenwärtig für den Online-Unterricht?

Ich benutze fast jeden Tag Google Classroom und Zoom, aber auch andere wie Loom, Quizlet, Google Jamboard, Kahoot und andere.

                                                   

 Wie nehmen die Schüler/Innen das Angebot dieses Unterrichts an? Wie ist das Feedback?

Das Feedback ist bisher positiv. Natürlich genießen sie diese digitalen Werkzeuge, aber es ist schwer für sie. In erster Linie vermissen sie ihre Freunde und sie haben momentan viele Hausaufgaben. Obwohl es etwas komisch klingt, vermissen sie auch die Schule und ihre Lehrer.

Vor welchen Herausforderungen stehen Ihre Schüler während der Corona-Pandemie ganz besonders?

Ich glaube, es ist im Moment wirklich schwer für sie. Ich bin sehr stolz auf sie, weil sie drinnen geblieben sind, alle Regeln respektiert haben. Stellen Sie sich also vor, Sie stecken wochenlang vor dem Computer fest und machen Hausaufgaben. Sie müssen die Motivation finden, gesund und optimistisch zu bleiben, ich fürchte hauptsächlich um ihre geistige Gesundheit, nicht nur um ihre, aber auch um unsere.

Sehen Sie durch diese Art des Unterrichts auch Chancen, die man im „analogen“ Unterricht so nicht hat? Nutzen Sie bspw. pädagogische Elemente, die sie im Klassenzimmer nicht verwenden?

Ich denke, wir können jetzt alle Arten von Ressourcen nutzen, virtuelle Museumstouren oder interaktive Karten nutzen oder auch interaktive Spiele.. Das sind Möglichkeiten, die wir im analogen Unterricht so nicht haben oder die wir nicht so oft benutzen können. Ich denke, ein gewisses Gleichgewicht zwischen den beiden wäre ideal.

 

                                                     

 

Haben Sie Rückmeldung auch seitens der Eltern?

Insgesamt zeigen die Eltern eine positive Reaktion. Ich denke, sie sind dankbar für jede helfende Hand, die sie bekommen. Ich verstehe es, ich bin auch selbst Mutter. Es ist eine schwierige Zeit für uns alle und wir müssen einen Mittelweg finden, damit wir alle diese Zeiten überwinden können.

Denken Sie, dass die momentane Unterrichtsphase auch nachhaltig Spuren im rumänischen Schulsystem hinterlassen wird. Beispielsweise auch zu mehr Digitalisierung in den Schulen führt?

Das hoffe ich doch. Wenn nicht, dann haben wir ein Problem. Wir leben in einer  Welt, die sich ständig verändert und unser Bildungssystem muss anpassungsfähig sein.

 

Fotos: Iulia Sirbu-Hölzli

Online-Quiz zu den Sathmarer Schwaben

Um die Zeit während des Coronaviruses auch zu hause nützlich zu gestalten, hat ifa-Kulturmanager Arthur Glaser ein kleines Online-Quiz zu den Sathmarer Schwaben erstellt.

Wie gut kennt ihr die Sathmarer Schwaben? Testet euer Wissen unterfolgendem link:

https://www.goconqr.com/quiz/21757300/sathmarschw-bisches-quiz-wie-gut-kennst-du-dich-mit-den-sathmarer-schwaben-aus-?fbclid=IwAR3V6scOdYRN3U4ytqDF_KKyGPOyDr0W1xsKnrT_ggcnZUOaooZFjzalXPI

Bekanntmachung zum COVID-19

Der Sitz des DFD Sathmar sowie alle Aktivitäten und Veranstaltungen des Forums werden, bis auf Weiteres, zur Prävention der Ausbreitung des COVID-19, geschlossen bzw. verschoben.
Sie können uns telefonisch unter 0261-713629 oder 0726 679 655 kontaktieren.

FDG Satu Mare își suspendă activitățile cu publicul pentru prevenirea râspândirii COVID-19.
Ne puteti contacta telefonic la 0261-713629 sau la 0726 679 655.

Interview mit dem deutschen Botschafter Cord Meier-Klodt im Kulturtreff

Im Rahmen des ifa-Netzwerktreffens in Sathmar, am 19.02.2020, führte die Stellv. Abteilungsleiterin Dialoge des Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), Karoline Gil, ein Interview mit dem deutschen Botschafter in Rumänien, Herrn Cord Meier-Klodt, im Kulturtreff.

Video Interview

 

ifa-Regionalwoche 2020 in Sathmar

Vom 17.-21. Februar traffen sich die ifa-Kulturmanger/innen sowie die Koordinatoren/innen der Region Rumänien, Ungarn, Serbien und der Ukraine zur jährlichen Mitarbeiterwoche. Dieses Jahr war der Entsendeort Sathmar Gastgeber. Im Rahmen der Regionalwoche fand auch am 19.02. das ifa-Netzwerktreffen statt. Hierbei trafen sich u.a. Vertreter der Gastinstitutionen, ehemalige ifa-Mitarbeiter sowie der deutsche Botschafter Cord Meier-Klodt und der Konsul aus Temeswar, Herr Ralf Krautkrämer zum Austausch. Das Netzwerktreffen wurde im Wendelin-Fuhrmann-Saal des Kulturtreffs veranstaltet. Dieses Jahr feiert das ifa-Entsendeprogramm zudemauch sein 25-jähriges Bestehen.

Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Johann Forstenheizler

Johann Forstenheizler, der Ehrenvorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Nordsiebenbürgen, wurde vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die hohe Auszeichnung wurde ihm am Mittwoch, den 19. Februar 2020 vom deutschen Botschafter Cord Meier-Klodt in festlichem Rahmen überreicht.

 

   

  

 

  

 

Recherchereise "Auf den Spuren der Sathmarer Schwaben"

„Vom Suchen und Finden der eigenen Identität“ – Von Nordsiebenbürgen nach Ulm und Mittelfranken

Die ehemalige Reichsstadt Ulm, ist eine an der Donau am südöstlichen Rand der Schwäbischen Alb an der Grenze zum Freistaat Bayern gelegene Universitätsstadt und mit ihren ca. 125 000 Einwohnern wahrlich keine Metropole. Dennoch hat sie zu Rumänien eine, vielen Menschen unbekannte Beziehung.

 

 

Vor über 300 Jahren machten sich viele Schwaben und Auswanderer aus süddeutschen und sonstigen deutschsprachigen Regionen von Ulm aus über die Donau auf den Weg in ein neues Land - ein neues Leben. Die Vorfahren vieler Donauschwaben begaben sich genau auf diese Reise. Der Fluss, der in Donaueschingen entspringt, war daher auch namensgebend in der Genese des modernen Begriffs „Donauschwaben“, der erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Weg in die Wissenschaft fand. Ulm war und ist daher ein Ort von historischer Bedeutsamkeit. Die Relevanz dieser Migrationsgeschichte lässt sich auch heute noch am Donauufer entdecken. Gestiftete Tafeln verschiedener Gruppen der Donauschwaben, erinnern an die Auswanderung und deren Schicksal.

Auf diesen Spuren wandelten vom 22. bis 26. August auch 33 langjährige Mitglieder und Förderer des Demokratischen Forums der Region Nordsiebenbürgen. Die Recherchereise „Auf den Spuren der Sathmarer Schwaben“ war auch als weiterführender Impuls des Geschichtsprojektes mit dem selben Namen, in dessen Verlauf bereits 2017 acht Jugendliche aus Sathmar, unter der Leitung von ifa-Kulturmanager Arthur Glaser, in Ulm ihre eigene Geschichte rekonstruierten. Nun war es an der vorherigen Generation, sich auf dieselbe Spurensuche zu begeben. Die Recherchereise hatte nicht nur den Zweck, den Teilnehmern zu ermöglichen auf die Suche nach der eigenen Familiengeschichte zu gehen, sondern vielmehr auch eine Multiplikatorenfunktion. Engagierte innerhalb der diversen Orts- und Kreisforen sollen durch das Gesehene und Erlebte aktiviert werden, die historische Aufarbeitung auch in den Heimatorten mit schwäbischer Geschichte in Nordsiebenbürgen in Form von Kultur- und Bildungsangeboten zu entfalten. Viele Sathmarer Schwaben haben im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts nicht nur den Bezug zur deutschen Sprache und zum schwäbischen Dialekt verloren, sondern vielmehr auch den Bezug zur eigenen Identität. Die Recherche soll daher auch einen identitätsstiftendes Element sein. Die Reise führte die Gruppe durch die Länder Ungarn und Österreich bis in den Süden Deutschlands der sog. „Urheimat“ nach Ulm und anschließend in die Region Nürnberg.

 

Am 23. August konnten die Teilnehmer aus dem vollen Brunnen der historischen Spuren der Stadt Ulm schöpfen. Museums- und Stadtführer Jörg Zenker, führte die Gruppe durch die sehenswerte Dauerausstellung des Donauschwäbischen Zentralmuseums (DZM). Auf etwa 1.500 m² Ausstellungsfläche erzählt das Museum, welches sich nur wenige hundert Meter vom Donauufer befindet, die wechselvolle Geschichte der Donauschwaben vom späten 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Zur Gruppe der Donauschwaben gehören auch die Sathmarer Schwaben. Schon der Modellnachbau einer Ulmer Schachtel vor dem Museum, lässt den Besucher bereits vor dem Eintritt in die Geschichte eintauchen. Den Teilnehmern wurde so eine kulturhistorische Schatzkiste geöffnet, aus der sie sich bedienen konnten. Einige Ausstellungsstücke berührten besonders, da sie mit Kindheitserinnerungen und –erlebnissen assoziiert wurden. Der Gruppe wurde so auch vor Augen geführt, unter welchen Umständen ihre Vorfahren einst ihre Heimat verließen, um im damaligen Ungarnland eine neue zu finden und mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert waren. Im Anschluss des Museumsbesuchs führte Jörg Zenker die Gruppe aus Nordsiebenbürgen mit seiner Expertise durch die Stadt. Vom Donauufer ins Fischerviertel, vorbei am schiefsten Hotel der Welt, zum Haus, wo einst die Großmutter Albert Einsteins wohnte. Von dort aus wurde das Ulmer Münster mit dem höchsten Kirchturm der Welt in Angriff genommen. Die Stadt an der Donau ist voll von historischen Spuren der Donauschwaben. Jeder, der auf diesen auch heute noch wandelt, kann ein Stück eigener Geschichte nacherleben. Im Anschluss führte Otto Buchmüller, ehemaliger Vorsitzender der Landsmannschaft der Sathmarer Schwaben, die Gruppe auch zum Ulmer Schwal. Die heute auf der Donauseite Neu-Ulms liegende Insel, fungierte als Ablegestelle vieler Ulmer Schachteln, auf denen die Aussiedler mit Beginn des 18. Jahrhunderts ihren Weg donauabwärts in ein neues Leben starteten. Nachdem Mittagessen konnten die Teilnehmer auch genau diesen Weg, auch wenn nur in der Form einer einstündigen Donauschifffahrt, nacherleben. Gegen Abend stieß auch Thomas Erös, Vorsitzender der Landsmannschaft der Sathmarer Schwaben, zur Gruppe und begrüßte die Landsleute.

Am 24. August machte sich die Gruppe von Ulm aus auf den Weg Richtung Mittelfranken. Dies war nicht nur eine geographische Weiterreise sondern in erster Linie auch eine historische. In der Region Mittelfranken vor allem Nürnberg, Hersbruck, Lauf an der Pegnitz sowie Schwabach  fanden viele Sathmarer Schwaben in den Nachkriegsjahren, den 1970er und 80er sowie nach der Revolution von 1989 eine neue Heimat. Hier wird heute noch sathmarschwäbische Kultur aktiv gelebt. Besonders hervorzuheben ist die HOG (Heimatortsgemeinschaft) Schandern, die das Kulturleben der alten Heimat aufrechterhält und tradiert. In Nürnberg standen zunächst ein Empfang sowie ein Mittagessen im Haus der Heimat auf dem Programm. Das Haus der Heimat fungiert seit 1998 als Begegnungsstätte für deutsche Vertriebene und Aussiedler aus (Süd-)Osteuropa. Die Geschäftsführerin des Hauses, Frau Doris Hutter, welche selbst aus Rumänien stammt, begrüßte die Gäste im Begegnungszentrum. Im Anschluss machte sich die Gruppe aus Nordsiebenbürgen auf die Entdeckung der Stadt Nürnberg. Hierzu gehörte auch der Besuch des historischen Zeppelinfeldes, dass den Nationalsozialisten als Reichsparteitagsgelände diente. In Sichtweite dieser historischen Stätte befand sich die Erstaufnahmeeinrichtung, die für viele Sathmarer Schwaben, welche als Aussiedler nach Deutschland kamen als erste Unterkunft und Durchlaufsstation diente.  In Form einer Stadtführung konnten die Teilnehmer ebenso in die reichhaltige Geschichte der Stadt eintauchen. Am folgenden Tag besuchte die Gruppe in der Gemeinde Hersbruck den Gottesdienst, der auch von Pater Tiberius Schupler, der ebenfalls der Gruppe aus Sathmar angehörte, mitzelebriert wurde. In der Gemeinde Hersbruck und Umgebung leben heute eine Vielzahl Sathmarer Schwaben, vor allem aus der Ortschaft Schandern. Dem Gottesdienst folgte ein gemütliches Beisammensein mit Landsleuten und Mitgliedern der Kirchengemeinde Hersrbruck. Vorstandsmitglied der HOG Schandern, Paul Kaiser, führte die Gruppe anschließend durch Hersbruck, welches ebenfalls über eine herausragende Geschichte verfügt. Zur Führung  gehörte auch die Station des Dokumentationsortes Hersbruck. Das Dokumentationszentrum besteht aus einem begehbaren trapezförmigen Bauwerk, das auf die Installation in Happurg ausgerichtet ist. Der Kubus stellt die individuellen Schicksale der Gefangenen des KZ-Außenlagers Hersbruck in den Mittelpunkt. Auf einen Medientisch werden die Namen von rund 9.000 Häftlingen projiziert. Herr Kaiser führte der Gruppe vor Augen, dass bereits wärhend des Zweiten Weltkrieges Menschen aus der Region Sathmar durch die Kriegsumstände nach Hersbruck kamen.  Hier und vor allem in der Region schloss sich somit auch der Kreis der Recherchereise, der in Ulm mit der Auswanderung im 18. Jahrhundert begonnen hatte und heute viele Sathmarer Schwaben und die nachfolgenenden Generationen eine neue Heimat gefunden haben. Besonderen Dank für die Unterstützung, Organisation und herzliche Gastfreundschaft an Frau Anna Steinbinder, Paul Kaiser, dem Ehepaar Toma, der gesamten HOG Schandern sowie dem Team des Haus der Heimat, die den Aufenthalt der Gruppe unvergesslich gemacht haben. Ebenfalls gilt auch dem Team des Donauschwäbischen Zentralmuseums Ulm ein besonderer Dank. Die Gruppe aus Nordsiebenbürgen konnte sich am 26. August mit vielen schönen Erinnerungen, Eindrücken sowie neuen Impulsen zurück auf den Weg nach Rumänien machen.

Die Recherchereise konnte neben den Eigenbeiträgen der Teilnehmer, durch die großzügige finanzielle Unterstützung folgender Förderer und Sponsoren ermöglicht werden: Haus des Deutschen Ostens, Landesforum, Kulturverband Sathmarense, Steiger SRL, Dacorim Prox SRL, SC Infotir SRL.

Beitrag der Deutschen Minderheit zur Großen Vereinigung 1918

 Perspektiven der deutschen Minderheit während und nach der „Großen Vereinigung“ von 1918

 

Der Vereinigung vom 1. Dezember 1918 und Bildung von Großrumänien stimmten die verschiedenen deutschen Siedlergruppen zu unterschiedlichen Terminen bei. Am 26. November 1918 waren es die aus der Bukowina, am 9. Dezember 1918 waren es die in Bukarest lebenden Deutschen, die Siebenbürger Sachsen taten dieses am 8. Januar 1919 auf der sächsischen Nationalversammlung in Mediasch, die aus Bessarabien taten es im März 1919, am 10. August 1919 bei der Vollversammlung der Banater Schwaben in Temeswar folgte deren Zusage. Gab es vor der Vereinigung und Bildung Großrumäniens zwischen den deutschen Siedlungsgruppen nur sporadische Verbindungen, waren mit der Bildung des einheitlichen Nationalstaates die Voraussetzungen geschaffen, dass sich auch diese Bevölkerungsgruppen zusammenschließen. Am 6. September 1919 hatten sich in Temeswar die Vertreter aller deutschen Siedlungsgruppen zu einer Versammlung getroffen, wobei ein gemeinsames Wahlprogramm unter Anleitung von Rudolf Brandsch angenommen wurde. Daraufhin konnte 1921 der Verband der Deutschen in Rumänien gegründet werden, dessen erster Vorsitzender Rudolf Brandsch bis 1931 war, und ihm dann der Schwabe Kaspar Muth von 1931 bis 1935 folgte. Laut der Volkszählung vom 29. Dezember 1930 lebten auf dem damaligen Landesgebiet 18.057.028 Bewohner, davon 12.981.324 Rumänen, 745.421 Deutsche, 728.115 Juden. Was die damalige Zahl der deutschen Siedlergruppen auf dem heutigen Gebiet Rumäniens betrifft, waren es insgesamt 625.000 deutsche Angehörige, davon 280.000 Banater Schwaben, 238.000 Siebenbürger Sachsen, 22.000 Sathmarschwaben, 40.000 Bukowinadeutsche, 12.000 Dobrudschadeutsche, 33.000 Deutsche in anderen Gebieten des Landes. Diese gehörten dem Verband der Deutschen in Rumänien an, der dann dem 1922 von Rudolf Brandsch gegründeten Verband der deutschen Volksgruppen in Europa beitrat, dessen Vorsitzender er fast zehn Jahre bleiben sollte.