Zwergenaufstand in Sathmar

23.09.2010 / 11:00 bis 18:00 Uhr: ‚Flashmob’ der Zwerge auf dem Holzplateau, Corneliu Coposu Straße

24.09.2010 / 11:00 bis 19:00 Uhr: Zwergentag der offenen Tür, Kulturtreffpunkt, Vasile Lucaciu Straße 9; Sathmar

 

Sathmar, 15.09.2010 Am 23. und 24. September 2010 kommt ein einmaliges Kulturprojekt nach Sathmar, das den Anspruch erhebt, mit Witz und Kunst die Welt zu verändern:

Am Donnerstag, den 23.09. treffen sich 32 orangene Gartenzwerge aus Gips und bleiben auf Kommando einen Tag lang in aller Öffentlichkeit stehen, um die Menschen zum Zwergenaufstand aufzurufen!

Die kleinen Gesellen werden in einer Formation im öffentlichen Raum (neues Zentrum Sathmar) aufgestellt, um auf Mißstände aufmerksam zu machen, um den kleinen Leuten, den kleinen Unternehmern und kleinen (Kultur-)Initiativen Gehör zu verschaffen. Die Zwerge stehen stellvertretend für jeden Mann und jede Frau aus Sathmar Spalier; für jeden Taxifahrer, der tagtäglich Schlaglöcher umfahren muss; für jede Familie, die finanziell gerade so über die Runden kommt; für jeden, dem die Erhöhung der Mehrwertsteuer ein Loch ins Portemonnaie brennt; für jeden Unternehmer, der um seine Existenz kämpft; aber auch für jede Kultureinrichtung, die versucht Leben in diese Stadt zu bringen.

An einem Infostand können sich Passanten daher orangene Zipfelmützen bauen, um zu zeigen, dass sie wie die kleinen orangenen Zwerge sind: mit Fleiß und Mühe Großes vollbringend, knurrig, aber auch gewitzt, quasi letztendlich immer fröhlich, auch wenn es mal schwierig wird. Sie können Zwergenpostkarten mitnehmen und an die Stellen (Nachbarn, Amt, Chef) verschicken, die ab und an ärgerlich zwicken und zwacken, aber auch Zwergenposter und allerhand Infomaterial zum Projekt und seinen Machern.

Am Freitag, den 24.09. kommen die Zwerge dann im Kulturtreffpunkt auf der Vasile Lucaciu 9 in Sathmar zum Einsatz, welcher damit in sein Programmjahr 2010/2011 startet. Im Rahmen eines ‚Zwergentages der offenen Tür’ kann man in dem Begegnungszentrum der Sathmarer Schwaben mit den orangenen Gartenzwergen „Mensch ärgere dich nicht!“ spielen - ein Spiel, bei dem jeder mal gewinnt, trotz fehlender 6er und Rauswürfe; wie im Leben! - , aber auch den Kulturtreffpunkt besichtigen. Offen stehen für Besucher das Lesecafé, das Deutsch Express Radiostudio, eine Bilder-Ausstellung und im großen Saal werden ab 18.00 Uhr Schüler des Deutschen Theoretischen Lyzeums „Johann Ettinger“ ihre Film-, Print- und Radiobeiträge aus dem Medienworkshop „Gulasch, Schnitzel und Sarmale“ von kulturomedia präsentieren.

 

Organisiert wird das Ganze von:

-Kulturtreffpunkt der Sathmarer Schwaben:

Der Kulturtreffpunkt ist eine kulturelle Einrichtung, die sowohl die Kultur und Sprache der deutschen Minderheit im Sathmarer Land bewahrt und pflegt, als auch Menschen aus Rumänien mit seinen Nachbarn sowie Deutschland im kulturellen und gesellschaftlichen Bereich verbindet. Die Programme des Kulturtreffpunkts sollen allen Interessenten an der schwäbisch-deutschen Kultur dienen, unabhängig vom Alter, aber auch für die Mehrheitsbevölkerung und andere mitwohnende Minderheiten attraktiv und interessant sein. Ziel ist dabei, die Einbeziehung verschiedener Kulturschaffender bei der Gestaltung des Kulturangebots des Treffpunkts, um die kulturelle Vielfalt und Multikulturalität in der Region Sathmar zu bereichern und fördern.

Eröffnet wurde der Kulturtreffpunkt zu den Deutschen Kulturtagen 2010.

www.kulturtreff.ro

-Demokratisches Forum der Deutschen Kreis Sathmar

www.schwabe.ro

-Institut für Auslandsbeziehungen e.V. Stuttgart:

www.ifa.de/en/info/news-press-review/ifahome/

-Kultur Aktiv Verein Dresden

www.kulturaktiv.org/verein/verein.html

 

Die Idee der orangenen Zwerge geht zurück auf eine Bewegung in Polen, genannt die „Orangene Alternative“, deren Anführer und geistiger Vater Waldemar „Major“ Fydrych war (Absolvent der Geschichte und Kunsthistorik der Universität Breslau).

Während den studentischen Bewegungen in den 1980er Jahren in Breslau wurden die orangenen Zwerge auf Farbflecken gemalt, die selbst wiederum durch das Überpinseln von regimekritischen Sprüchen entstanden waren. Die Macher der Orangenen Alternative organisierten aber auch (unter starkem Einfluss von Dadaismus und Surrealismus) Happening-Aktionen, die das Monopol des Staates auf die Wahrheit gewitzt und gewaltslos in Frage stellten. Zum Beispiel riefen die Orangenen die Menschenmenge auf, vor dem Schimpansengehege im Breslauer Zoo Stalinhymnen zu singen.

1988 breitete sich die Orangene Welle über ganz Polen aus und auch in anderen Großstädten wie Posen, Danzig und Krakau waren überall Zwergengraffiti zu sehen und wurden Happenings organisiert.

So wurden die Zwerge zum Maskottchen der farbenfrohen antikommunistischen Opposition in Polen.

Alle Aktionen der Orange waren unglaublich erfolgreich und versammelten teilweise über 10.000 Menschen, darunter Aktivisten, aber auch einfache Bürger, die humorvoll Kritik am Regime üben konnten ohne den Anspruch jeglicher Radikalität.

Die Orangene Alternative ging nicht mit dem Kommunismus unter. Nach einer kurzen Pause kehrte sie während der Wahlen des Warschauer Staatspräsidenten mit dem Happening „Zwerg for President“ zurück.

Spuren der Orangenen Alternative findet man mittlerweile auf der ganzen Welt (Bücher, Magisterarbeiten, Dissertationen) und die Bewegung selbst ist über Polen hinaus aktiv. Einige Happenings wurden in Frankreich in Kooperation mit Studierenden der Universitaten Arras und Nancy gegen Globalisierung, Stereotypen und unkontrollierten Aktionen des Polizeistaates organisiert.

Im Dezember 2004, als die Ukraine vom demokratischen Aufbruch der Orangen Revolution ergriffen wurde, schlossen sich Major Fydrych und eine Gruppe polnischer und ukrainischer Studenten an: Sie organisierten das Happening "Kiew - Warschau - gemeinsame Sache" und fuhren mit dem Orange-Bus von Warschau nach Kiew. Unterwegs hielten sie in polnischen und ukrainischen Städten und organisierten Happenings, deren Teilnehmer den orangen „Schal der Unterstützung“ stricken konnten.

 

Im Jahr 2009 nahmen die Zwerge in Dresden Gestalt an. Mit Hilfe des Kultur Aktiv Vereins kämpften sie sich auch dort aus der Unterwelt nach oben ans Tageslicht und postierten sich mit Hilfe verbündeter Menschen an Kritikpunkten, um jede Frau und jeden Mann, jedes Kleinunternehmen und jede soziokulturelle Einrichtung daran zu erinnern, nicht aufzugeben.

 

Das Projekt in Satu Mare ist zwar angelehnt an die Geschichte der Orangenen Alternative und Adaptationen dieser Idee wie in Dresden, soll aber in erster Linie als Experiment begriffen werden in einer Stadt, die weit weg von der Hauptstadt Bukarest ist. Das Projekt soll die Aktualität der Krise in Rumänien (die u.a. einher geht mit Stellen- und Rentenkürzungen, während die Ausgaben steigen) und den Anspruch der Kunst, die Welt auch aus anderen Blickwinkeln zu betrachten (in diesem Fall mit Humor), vereinen.

Zwar hat der Zwergenaufstand einen kritischen Ansatz, der aber nicht überbetont werden sollte: Das Projekt soll jeden Mann und jede Frau daran erinnern, dass sie alle eine Stimme haben, aber dennoch ohne Verbissenheit, Radikalität oder Wut die Probleme in der Familie, auf Arbeit, im Land etc. angehen sollen, sondern eher gemeinsam, clever, kritikfähig und pfiffig, wie Zwerge.

 

Kontakt:

 

Andrea Scherf

ifa-Kulturmanagerin am DFDK Sathmar /

 

Andrea Holtzberger

Kulturreferentin des Kulturverbands Sathmarense

 

Vasile Lucaciu Str. 9

RO-440031 Satu Mare

Tel: 0040 (0)261 714900

Email: office@kulturtreff.ro